Der Lidl-Haltungskompass

Lidl führte im April diesen vierstufigen Haltungskompass für Frischfleischprodukte ein. Foto: Lidl

11.04.2018 . Seit Anfang April sind die ersten Frischfleischprodukte mit dem Lidl-Haltungskompass in den Kühltruhen zu finden. Dieser kennzeichnet das bestehende Sortiment und ist kein Tierwohllabel.

An der Preisgestaltung ändert sich mit der Anbringung des Lidl-Haltungskompass erst einmal nichts.
Auf jeder Verpackung Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleisch befindet sich künftig ein gut sichtbarer Hinweis, wie die Tiere gehalten wurden.

Das Frischfleisch der Lidl-Eigenmarken stammt zu 100% aus Deutschland. Mit dem Kompass gekennzeichnet wird ausschließlich deutsche Rohware, temporär verfügbare internationale Spezialitäten sind aktuell von der Kennzeichnung ausgenommen.

Tierwohl in vier Stufen

„Wir wollen unsere Kunden dabei unterstützen, eine bewusste Kaufentscheidung für eine tierwohlgerechtere Haltung zu treffen. Ab sofort ist die jeweilige Haltungsform transparent und direkt auf der Verpackung erkennbar“, erläutert Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland.
Ziel ist es, die Haltungsformen durch ein 4-Stufen-System transparent aufzuzeigen und die Verbraucher auf einen Blick zu informieren. So entspricht zum Beispiel Stufe 1 der „Stallhaltung“ und damit den gesetzlichen Bestimmungen.
Stufe 2 bezeichnet „Stallhaltung Plus“, bei der den Tieren mehr Platz als Stufe 1 gewährt wird; das gekennzeichnete Fleisch stammt nachweislich aus Betrieben, die diese Zusatzkriterien erfüllen.
Stufe 3 ist das „Außenklima“. Die Tiere haben zusätzlich mehr Platz als Stufe 2 und werden gentechnikfrei gefüttert. Sie haben Zugang zu Außenklimabereichen. Schweine und Rinder mit beispielsweise einem signifikant höheren Platzanteil jedoch ohne Außenklimazugang werden mit Stufe 3 „Tierwohl Plus“ gekennzeichnet.
Stufe 4 „Bio“, entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch nach EU-Öko-Verordnung; Tiere mit höheren Tierwohlstandards als Stufe 3 jedoch ohne Bio-Siegel werden mit der Stufe 4 „Premium“ gekennzeichnet.

Die Fleischkennzeichnung ist ein weiterer Schritt des Unternehmens für mehr Tierwohl. Langfristig plant Lidl, die Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ als Lidl-Mindeststandard zu etablieren. Jan Bock führt weiter aus: „Mit der reinen Kennzeichnung heben wir keine Tierwohlstandards an. Wir wollen jedoch erreichen, dass sich die Standards in ganz Deutschland sukzessive erhöhen.“

Anfang 2019 sollen bereits rund 50 % der Frischfleischprodukte mindestens auf Stufe 2 "Stallhaltung Plus" umgestellt sein. Im nächsten Schritt strebt Lidl die Einführung eines Tiergesundheitsindex an.

Greenpeace startete Umfrage in Fleischbranche

Die meisten Supermärkte und Erzeugerverbände für Schwein (ISN) und Geflügel (ZDG) in Deutschland wünschen sich eine klare gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung aus welcher Tierhaltung das Fleisch stammt, so bestätigt Greenpeace in seiner Umfrage unter zwölf Handelsunternehmen. Anlass für die Umfrage war der Haltungskompass der Discounterkette Lidl.

Unternehmen wie McDonalds, Tank und Rast sowie die LSG Sky Chefs, das Catering-Tochterunternehmen der Deutschen Lufthansa, befürworten ebenfalls eine staatliche Haltungskennzeichnung. „Der Haltungskompass von Lidl ist ein lobenswerter Schritt, es geht aber auch noch besser“, sagt Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. „Damit jetzt nicht jeder Einzelhändler oder Gastronomiebetrieb mit einer individuellen Lösung kommt, muss die Politik endlich handeln und eine verpflichtende Kennzeichnung auf den Weg bringen."

Aldi, Lidl, Rewe, Kaufland und Tegut unterstützen die Forderung von Greenpeace nach mehr Transparenz bei der Tierhaltung, um künftig klar und einheitlich kennzeichnen zu können.
Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgeschlagenen Tierwohllabel ist bisher nur auf freiwilliger Basis geplant. Die befragten Handelsketten, Gastronomieunternehmen und Produzenten fordern hingegen eine gesetzliche Regelung.

„Für die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gibt es jetzt keinen Grund mehr, sich vor einer gesetzlichen und verpflichtenden Lösung zu drücken, wie es ihr Vorgänger bisher immer getan hat“, sagt Töwe. „Ein weichgespültes freiwilliges Label, wie es die Bundeslandwirtschaftsministerin in ihrer Regierungserklärung vergangenen Freitag ankündigte, hilft niemanden – weder dem Verbraucher, noch Handel und Gastronomie und am wenigsten den Tieren.“  LP/aro

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